Otterndorf: HM, ein zweiter Versuch!

Letztes Jahr war mein Abschneiden mit einem 4. Platz beim Halbmarathon nicht zufriedenstellend. Deshalb hatte ich Natalie vorgeschlagen am 18.09 erneut nach Otterndorf zu fahren um dort unser Wochenende zu verbringen und den Küsten-Halbmarathon zu laufen.

Den Bericht aus dem Vorjahr könnt ihr sonst vorab gerne hier lesen, denn an der super Versorgung der Athleten, dem Hotel und dem Lauf hat sich nicht viel geändert. Jedoch am Rennverlauf schon. Diesen will ich euch deshalb gerne näher bringen.

 

Die Ausgangslage

 

Es waren auf der Halbmarathonstrecke drei Eliteläufer angemeldet, die das Treppchen unter sich ausmachen sollten. Als Eliteläufer waren neben mir der Kenianer Alpha Kisa und der Eritreer Yohannes Heilu Atey am Start. Außerdem lief noch der einzige Kenianer (Edwin Kirwa), der den Marathon (4 statt der 2 Runden) laufen bei uns mit.

 

Die abendliche Vorbereitung

 

Am Samstagabend aßen wir unser Wettkampfessen, welches Natalie für uns am Freitag schon fertig gekocht hatte. Natürlich hatte ich eine eigene Kochplatte und Töpfe zum Aufwärmen mitgenommen. Denn auch hier gab es 2 Stunden später noch selbstgemachten Zimt-Milchreis.

Am Morgen darauf gab es natürlich unser frisch vor Ort zubereitetes Power-Frühstück. Für dieses hatte ich in Bremerhaven am Samstag noch extra Bio Korinthen besorgt und am Freitag zum Glück noch pünktlich eine neue Lieferung Matcha bekommen. Auf der mitgebrachten Herdplatte machten wir uns 3 Stunden vorher unser Hirse-Power-Frühstück. Sollte ihr keine gefriergetrockneten Bananen haben, kann man auch diese gut nehmen und die Himbeeren am Vortag essen.

 

Der Lauf

 

Pünktlich um 10:15 gab der 3. der Olympischen Spiele im Diskus Daniel Jasinski den Startschuss. Es bildete sich sofort eine Dreiergruppe der oben genannten Eliteläufer. Ich begann es gemächlicher.

Die ersten Kilometer (3:11, 3:18, 3:19) waren mit Gegenwind aber auch nicht so langsam. Ich musste einen 3:18 Schnitt laufen, um unter den 1:10 zu bleiben.  

Die nächsten Kilometer mit Rückenwind waren dann auch leichter (3:13, 3:14, 3:15) jedoch muss hier erwähnt werden, das es bei diesen Kilometern den Deich hoch ging und oben über 400 Meter auf der Deichspitze (Gras) gelaufen wurde, ehe es wieder auf die Asphaltstrecke unten am Deich herunter ging, um den Deich dann 1 Kilometer später wieder hochzulaufen.

Aus der Dreiergruppe wurde dann eine Zweier und Alpha lief, wie sein Name vielleicht vermuten lässt einsam vorweg. Die erste Runde (10 km Zeit: 32:38 lt. Uhr) am Startbereich war dann gar nicht so leicht zu passieren, denn die ankommenden 10 Kilometer Läufer verstopften den Zielbereich, dass ich nun mit zick-zack Laufen verhinderte in diese hineinzulaufen. Hier sollte man in Zukunft eine Gasse für die Halbmarathon-Läufer schaffen.

Auf den 12 Kilometer merkte ich meine rechte Wade. War es doch vielleicht nicht so gut gewesen nach der DM 10 km letzten Sonntag einen Halbmarathon zu laufen?

 

Zum Glück fiel mir in der Ferne auf, dass Yohannes das Tempo des Marathonläufers nicht mehr mithalten konnte. Ich versuchte an einem markanten Punkt die Zeit zu stoppen, die zwischen ihm und mir lagen. Es waren bei ca. 14 km rund 47 Sekunden. Ich hatte noch 7 Kilometer Zeit. Wenn er 7 Sekunden langsamer pro km als ich laufen würde, hätte ich ihn im Ziel.  

Somit war ich motiviert diese Aufholjagt zu beginnen und hat meine Wadenschmerzen vergessen lassen. Ich suchte mir immer Punkte an denen ich die Zeit nahm. Noch 35 Sekunden. Der Anstieg am Deich auf der letzten Runde kostete ihm Körner. Denn bei meiner nächsten Messung waren es nur noch 25 Sekunden, aber auch nur noch 3,5 Kilometer. Der Wendepunkt erlaubte mir ihm noch einmal ins Gesicht zu sehen und seinen Laufstil zu begutachten. Er hatte es echt schwer. Vielleicht hätte ich mich selber noch anstrengender zeigen sollen, aber so gut sah ich dann wohl auch nicht mehr aus. Der Weg zurück war dann jetzt nur noch mit Gegenwind, was es auch für mich nicht mehr einfach gemacht hat.

Die Kilometer ab 17 (3:18, 3:22 und 3:23) ließen mich dennoch näher an ihn herankommen. Mein  20. Kilometer war dann wieder ein 3:16. Er war jedoch immer noch ca. 10 Meter vor mir. Diese seit dem 13. Kilometer angefangene Aufholjagt ging echt an meine Grenzen, obwohl ich solche gesteigerten Läufer gerne laufe und auch trainiere.

Auf den letzten hundert Metern war ich dann kurz hinter ihm. Ich versuchte leise zu laufen/zu atmen, damit er mich nicht zu schnell hören würde. Das Publikum klatschte aber, was mir mein Vorhaben einfacher machte.

 

Dann der entscheidende Blick von ihm zurück, er versuchte nochmal kurz zu beschleunigen. Hier hätte ich mich auf einen gemeinsamen Zieleinlauf eingelassen, aber er wollte nicht. Also musste ich nochmal alles geben und meinen Schlusssprint rausholen. Der 21. Kilometer war eine 3:05 und die hat dafür gesorgt, dass ich es auf den überraschenden 2. Platz geschafft habe. Wer meinen Zielsprint um Platz 2 sehen will, der kann das hier machen. Hätte ich selbst  nicht ganz daran geglaubt, aber gehofft natürlich schon. Überglücklich schmiss ich mich, langsam schon zur Routine geworden, auf den Boden um meinen Herzschlag herunterkommen zu hören und genoss meine Überraschungsleistung. Hätte ich nicht die Zeit genommen und mich konsequent schon ab dem 13. Kilometer auf die Aufholjagt gemacht, wäre mir dieses nicht gelungen, das ist sicher.

 

Zu diesem Erfolg passte dann auch, dass Natalie sich wie im Vorjahr den Titel beste Deutsche und 3. Frau im Halbmarathon sichern konnte. Ihre Zeit war etwa eine Minute besser als 2015.

 

Ausblick

 

Da man solche Rennverläufe nicht vorhersehen kann, passt es ganz gut, dass ich von meinem Arbeitgeber aufgrund der angespannten Arbeitslage am Freitag keinen Urlaubstag bekomme. Somit kann ich nicht an dem B2Run Firmenlauf-Finale teilnehmen.

Ich habe jedoch dieses Jahr gezeigt, dass ich, wenn ich ausruht bin, super Ergebnisse siehe Bestzeiten abrufen kann. Eine Teilnahme würde  nicht mein volles Potential zeigen, deshalb bin ich darüber nicht wirklich traurig.

 

Als nächstens würde ich noch gerne die Halbmarathon Landesmeisterschaften mitlaufen. Wenn dort jedoch nicht eine Sub 1:10:00 herauskommt, kann das glaube ich jeder verstehen. Man muss nicht immer für jeden Lauf an seine Grenzen gehen, aber wenn es sich lohnt und passt dann natürlich schon... 

 

Euer Pascal 

 

   

P.S. Danke an Annette und Reinhard vom Orgateam, die wieder alles für uns getan haben. Es hat uns wieder so gut gefallen, dass nur eine erneute DM in Hamburg uns zweifeln lassen würde, wieder in Otterndorf am 10.09.2017 zu starten. Außerdem wäre an dem Datum auch noch der Kiel Lauf, also fallen drei sehr bekannte Läufer nächstes Jahr auf ein Datum.