Wer läuft so spät durch Nacht und Wind?

Ich liebe es

 

Ich muss ja gestehen, ich mag solche Events wie den Sportscheck Nachtlauf echt gerne.

Diese Aufgeregtheit vorher, die mich immer so ruhig macht. Diese Unwissenheit über mögliche Läufer. Diese nächtliche Atmosphäre kurz vor dem Start. Hier fühle ich mich richtig wohl und bin auch gerne bereit eine gute Leistung unter Einsatz aller Mittel zu zeigen. 

Meine Kollegin meinte 2 Tage zuvor noch,   sie habe den Lauf geträumt: "Du hast mir einen Daumen hoch gezeigt, als ich fragte was du gelaufen bist."

 

Der Lauf

 

Kurz vor dem Lauf sah es so aus, als müsste ich heute nicht zu viel Gas geben, denn kurz vor dem Start waren keine sehr schnellen Männer auffällig, die z.B. Sprints machten oder sich relativ weit vorne positionieren wollten.

Dann kam aber 1 Minute vorher noch Fabian Gering an die Startline. Er war der Vorjahres -Zweite und ist immerhin mal eine 30:20 über 10.000m gelaufen. 2015 wurde er damit Vize Europameister!

 

Es gab also doch keine Garantie auf einen Sieg. Jetzt hieß es alles oder nichts und abwarten was Fabian drauf hatte.

Dann war es 22 Uhr und der Countdown aus den Boxen lief von 10 auf 0 hinunter.

Sofort ging es los. Erst einmal relativ normal, aber mit Fabian im Schlepptau. Bei 400m wurden die  beiden Sprinter eingesammelt.

 

Der 1.km war dann nur eine 3:15. Aber dann versuchte ich Fabian, der meiner Meinung nach schon stärker atmete als ich, mit kleinen Tempospitzen abzuschütteln. Immer wieder bei kleinen Anstiegen kamen meine Attacken. Ich hatte von der Atmung her noch keine Probleme, obwohl der 2. und 3. km jeweils mit 3:04 sehr schnell waren. Kurz vor dem 3. Kilometer hatte ich dann eine kleine Lücke gerissen, die ich mit hohem Tempo versuchte beizubehalten.

Am nächsten Anstieg einer Brücke mit Gegenwind war er dann schon hundert Meter hinter mir, was ich im Rennen aber nicht so wahrgenommen habe. Ich hatte mich auf das Klatschen der Leute verlassen. Und erst bei 5km (Zeiten 3.09, 3:08, 3:07) hörte ich nach den Anfeuerungen für mich erstmals gar nichts. Das sagte mir, der ist schon etwas weg.

Sollte meine Kollegin recht behalten haben und ich würde das Ding nach einem Jahr Pause erneut gewinnen? Der letzte Kilometer war dann nur noch in 3:10, aber hier war auch Gegenwind zu spüren. Ansonsten waren die Bedingungen von Wetter und der Luft optimal. Jetzt hieß es noch 500m genießen und das machte ich dann auch. Die Beine mit den Schuhe liefen noch von selbst, jedoch war meine Atmung jetzt schon auf Anschlag. Es war ein super Rennverlauf und ich freute mich über einen Vorsprung von 55 Sekunden auf Fabian, den ich vorher nie so erwartet hätte. 

Für Fabian, der gerade im 4. Semester Medizin studiert, war ein weiterer Vizeplatz natürlich schade. Er ist aber ein Typ dem ich den Sieg auch gegönnt hätte. Denn trotz eines Vize Europameistertitels ist er ein sehr sympathischer und am Boden gebliebener LäuferDa kenne ich auch andere Läufer...

 

Natalie holte sich nach ihrem Sieg im letzten Jahr auch in diesem Jahr den Sieg vor ihrer Freundin Julia.  Zu dem Zeitpunkt waren gerade mal 3 Männer im Ziel!!!

 

Fazit

 

Ich bin mit meiner Zeit von 23:19 min  eine Minute und 22 Sekunden besser als letztes Jahr dort gelaufen. Meine Zeit bei alsterrunning.de beträgt übrigens 23:20  und war sogar 1 Sekunde schneller ist als die Rekordzeit damals von Runwiththeflow (Flo Neuschwander).

Ich bin stolz mich so verbessert zu haben. Selbst letztes Jahr wäre ich mit der Zeit ca. 20 Sekunden vor dem 1. ins Ziel gekommen.

 

Ausblick

 

Nächste Woche stehen in Flensburg die LM 5.000m an, bei meiner aktuellen Form werde ich mich dort mal blicken lassen...

 

 

Euer Pascal

 

Danke an Oliver Farys für das Bild. Weitere Fotos vom Event: hier